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Projekte und Arbeitskreise > Konfliktkultur
Gewaltprävention als Ansatz für ein friedlicheres QuartierslebenAlle Bewohner waren am Sa, 22.11.08 ins Haus 037 eingeladen zum ganztägigen Workshop:
"Einsatz & Ideen für Mehr-Generationen-Projekte im Vauban".
Nach einem Impulsreferat von Christine Schings stellten Vertreter des Mundenhofs, des Theater Freiburgs und von "Jugend MitWirkung"/Bern soziale Projekte vor, die in einer moderierte Gruppenarbeit erörtert wurden. Dies gab den 20 Teilnehmer Anregungen für das gemeinschaftliche Leben im Vauban, wo sich neben jungen Familien allmählich auch eine ältere Generation entwickelt. |  |
Die Quartiersarbeit und die Werkstatt für gewaltfreie Aktion luden am Sa, 11.10.08 Bewohner/innen des Vauban ein zu einem kostenlosen eintätigen
Zivilcourage-Training.
15 Interessierte erfuhren und übten im Genossenschaftshaus I der Genova Strategien von Deeskalation und gewaltfreiem, aber couragiertem Umgang mit anderen im Konfliktfall. Andreas Peters, Trainer für gewaltfreie Konfliktaustragung, leitete dieses siebenstündige Training, das der Förderung eines friedlichen Zusammenlebens im Vauban dienen soll. |  | | Hier ein paar Impressionen (anklicken): |  |  |  |  |  |  |
Beim 1. Nachtreffen zum Thema Gewaltprävention Di, 29.04.08 im Haus 037 wurden zahlreichen Vorschläge und Überlegungen, welche sich aus der Vortragsrunde mit Dr. Painke (s.u.) ergaben, weiter erörtert und konkretisiert. Ergebnisse sind u.a. gemeinschaftliche Nachtspaziergänge durchs Quartier sowie ein eintägiges Zivilcourage-Training.
Am 07. März 2008 fand im Haus 037 ein bemerkenswerter Diskussionsvortrag statt:
"Zukunft der Stadtteile, Chancen für ein gutes Zusammenleben" mit Dr. Uwe Painke
Der Referent Dr. Uwe Painke, Leiter der Familien-Bildungsstätte in Leonberg und langjähriger Trainer und Ausbilder für gewaltfreie Konfliktaustragung, präsentierte seinen in den 70er Jahren revolutionären Ansatz zum Thema Gewaltprävention. Er berichtete auf fesselnde Weise von seinen Erfahrungen mit der Kriminalitätsbekämpfung in West Philadelphia (USA), wo er half, das Konzept der "Neighborhood Safety" erfolgreich umzusetzen, insbesondere durch Förderung der sozialen Kompetenz der Bewohner, Entwicklung von gemeinsamen Schutzmaßnahmen sowie durch Schaffung einer höheren Lebensqualität im Stadtviertel. Anders als die übliche Strategie von vergeblichen Polizeimaßnahmen, konnte die Stärkung der nachbarschaftlichen Gemeinschaft einen drastischen Rückgang der Gewalt erzielen.
Anschließend wurde der Bogen zum Vauban gespannt, indem Patricia de Santiago die Situation und die gegenwärtigen Maßnahmen in Freiburg zusammenfasste. In einer interessanten Diskussionrunde machten sich nun die Teilnehmer Gedanken, welche der Maßnahmen von Philadelphia auch hier in Betracht kommen könnten und brachten eigene Vorschläge. Es ergaben sich neue Anregungen für unsere Arbeit und das Leben im Quartier, die in nachfolgenden Treffen vertieft und ausgearbeitet werden sollen.
Konfliktkultur Vauban: die Suche nach Konsens zwischen den GenerationenDas Quartier Vauban besitzt eine ungewöhnliche Altersstruktur: seit der Gründung sind viele Paare mit kleinen Kindern zugezogen, während es noch kaum Senioren gibt. In den ersten Jahren ertönte nachts vor allem Babygeschrei, doch inzwischen sind aus zahlreichen Kindern selbstbewusste Jugendliche geworden, die mit ihren Freunden ihre Freizeit im Quartier selbst gestalten wollen – oft nicht zur Freude der Elterngeneration, die eher Wert auf Ruhe und Sauberkeit legt. Denn immer häufiger fanden sich an neuralgischen Punkten wie dem Paula-Modersohn-Platz, dem Innengelände der Karoline-Kaspar-Schule oder der Stadtbahn-Wendeschleife Scherben, Graffiti und Spuren von Vandalismus wieder, und in vielen Nächten fühlten sich manche Bewohner durch jugendliche Gruppen gestört, die sich lautstark unterhielten, Musik hörten und die Vaubanallee als Mofarennstrecke benutzten.
Diese und mehr Konfliktpunkte zwischen Anwohnern und Jugendlichen spitzen sich an der Endhaltestelle der Straßenbahn, wo sich Jugendliche aus dem Stadtteil mit ihren Freunden aus dem Umland treffen, immer mehr zu. Nach etlichen Klagen der Anwohner aus der Astrid-Lindgren-Straße und dem westlichen Ende der Vaubanallee lud Patricia de Santiago von der Quartiersarbeit Erwachsene aus diesen Straßen und Jugendliche zu einem Runden Tisch ein, nach dem Motto „Nicht übereinander, sondern miteinander reden.“
So fanden im Oktober zwei Treffen in der Kita Immergrün statt, bei denen etwa gleich viele Jugendliche wie Anwohnerinnen und Anwohner teilnahmen. Beide Gruppen waren gesprächsbereit und ließen sich von der Diplomsozialarbeiterin Uschi Kiesgen durch den Abend führen.
Der erste Abend vollzog sich in zwei Schritten: In kleinen gemischten Gruppen wurde zunächst festgehalten, was gut läuft und was nicht und danach allen vorgetragen. Gut läuft nicht viel, aber immerhin wurde zugestanden, dass wir in einem offenen Stadtteil leben, wo sich viel Leben auf der Straße abspielt, es einen Bolz- und einen Skaterplatz gibt und die Menschen relativ tolerant sind. Vieles ist aber dennoch problematisch, was die vielfältige Kritikpunkte belegen. Von Seiten der Jugendlichen kamen Klagen über zu wenig Sportangebote, viele empfindliche Erwachsene, häufiges Erscheinen der Polizei sowie über viel Gemecker à la „Kinder dürfen alles“ (aber nicht bei lauten Rasenmähern!). Die Gruppe der Erwachsenen beschwerten sich hingegen über herumliegende Scherben, laute Musik bis spät in die Nacht, nächtlicher Lärm auf der Grünspange, Zerstörung der Fahrpläne an der Haltestelle und laute Motorroller.
Mit der „Steinmethode“ strukturierte Frau Kiesgen dann die Beiträge und stellte dadurch zwar keinen Konsens her, aber eine Situation des Zuhörens. So fanden die Teilnehmer nach einer kurzen Pause an drei Wänden Bildern von Steinen und sammelten vor jedem gemeinsam die dazu passenden Punkte: Beim Stolperstein die immer wieder auftauchenden Probleme, über die man stolpert - wie laute Mofas, motzende Erwachsene, Fahrradanhänger überall - die man aber durchaus aus dem Weg räumen kann. Beim Markstein oder Grenzstein die Dinge, die für jeden unverzichtbar sind und deren Missachtung eine Grenzüberschreitung bedeutet – wie Beschmieren von Häusern, Störung der Nachtruhe, geringschätziger Umgang und Rechthaberei von Seiten der Erwachsenen. Der Edelstein als wertvollster Stein soll den Königsweg aufzeigen, über den man zueinander findet: im Gespräch bleiben, einen respektvollen Umgangston finden.
Beim zweiten Abend am 20.10. wurden die genannten Probleme durch Rollenspiele vertieft, und nach gemeinsamem Pizza-Essen ging man mit dem Willen auseinander, im Gespräch zu bleiben. Auch stellten sich je zwei Erwachsene und Jugendliche als Ansprechpartner für auftretende Probleme in dem genannten Bereich zur Verfügung.
Von außen betrachtet ist das alles nicht viel, trotzdem gab es kleine Wirkungen: einzelne positive Rückmeldungen, gegenseitiges Grüßen an der Endhaltestelle, und drei Jugendliche wollen einen Film über die angesprochenen Probleme drehen. Allen ist bewusst geworden, dass sie etwas ändern wollen und man sich dazu kennen muss. Schließlich wollen und sollen sich alle im Stadtteil wohl fühlen. Dabei werden auch Hoffnungen auf einen neuen Mitarbeiter des Jugend- und Kinderhauses JuKS gesetzt, dem es gelingen möge, das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen. Ein Stolperstein bleibt für alle Beteiligten allerdings der Alkohol, der die Gesprächsbereitschaft stark herabsetzt.
(nach Christa Becker)
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